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EU AI Act ab 2. August 2026: Was KMU jetzt wirklich tun müssen

30. Juli 2026 · Jörg Michno · 9 min Lesezeit

Am Sonntag, dem 2. August 2026, gilt die nächste Stufe des EU AI Act. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen KI einsetzen — auch „nur" ChatGPT, Copilot oder einen Chatbot auf der Website —, stellen sich drei ehrliche Fragen: Bin ich überhaupt betroffen? Was wird konkret gefordert? Und was lasse ich getrost bleiben?

Dieser Leitfaden beantwortet alle drei — ohne Panikmache und ohne verkaufte Angst. Er ist keine Rechtsberatung, sondern eine technische Einordnung von jemandem, der KI-Sicherheit praktisch prüft.

Ehrlich vorab: Was am 02.08.2026 nicht startet, sind die Hochrisiko-Pflichten — die wurden per Digital Omnibus auf den 2. Dezember 2027 verschoben. Wer Ihnen jetzt ein „sofortiges Komplett-Compliance-Programm" verkauft, verkauft Druck, der so nicht stimmt.

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Inhalt

1) Was ändert sich am 02.08.2026 wirklich?

Der EU AI Act gilt gestaffelt. Zum 2. August 2026 kommen drei Dinge verbindlich dazu:

DatumWas gilt
2. Februar 2025Verbotene KI-Praktiken (Art. 5) + KI-Kompetenz-Pflicht (Art. 4)
2. August 2025GPAI-Pflichten für Anbieter großer Basismodelle
2. August 2026Transparenzpflichten (Art. 50) + Bußgeldrahmen + Marktüberwachung
2. Dezember 2027Hochrisiko-Pflichten (per Digital Omnibus verschoben)

Ebenso wichtig — was sich nicht ändert: Die GPAI-Pflichten gelten bereits seit August 2025 (kein neues Datum), und die schweren Hochrisiko-Pflichten kommen erst Ende 2027. Die Lage ist ernst, aber sie ist planbar.

2) Bin ich betroffen? Die ehrliche Trennschärfe

Der AI Act unterscheidet Rollen — und die entscheiden über Ihre Pflichten:

Die meisten KMU sind Betreiber. Für sie heißt der 2. August 2026 konkret: KI-Systeme mit Mensch-Kontakt müssen als KI erkennbar sein (Art. 50) — und die Kernpflicht bleibt: Wissen, wo überall KI läuft, und das dokumentieren können.

3) Was konkret gefordert ist — in der Reihenfolge, die zählt

  1. KI-Inventur: Wo setzen wir KI ein? (Auch Schatten-KI: die Mitarbeiterin, die Kundentexte privat in ChatGPT wirft.) Eine Seite pro System genügt: Zweck, Anbieter, Datenarten.
  2. Risiko-Einordnung dokumentieren: Ist eines der Systeme „Hochrisiko" (z. B. Personalauswahl, Kreditwürdigkeit)? Für die meisten KMU: nein — aber die Prüfung sollte abgeheftet sein, nicht im Kopf.
  3. Transparenz umsetzen (Art. 50): Chatbot auf der Website? Ab 02.08. muss erkennbar sein, dass Nutzer mit einer KI sprechen. KI-generierte Texte und Bilder kennzeichnen, wo sie publiziert werden.
  4. Gebrauchsanweisungen lesen und befolgen: Der Betreiber-Kernpunkt. KI-Systeme haben Nutzungsbedingungen, die oft Datenverarbeitung regeln (darf ich Kundendaten eingeben oder nicht?).
  5. Menschliche Aufsicht sicherstellen: KI-Ergebnisse, die Menschen betreffen, brauchen einen Menschen, der gegenliest — dokumentiert, nicht behauptet.
  6. Technische Robustheit prüfen (bei eigenen KI-Features): Wenn Sie KI in Ihre Website oder App eingebaut haben: Ist sie gegen Angriffe wie Prompt Injection abgehärtet — und ist das nachweisbar? Das ist der Teil, den wir technisch prüfen: ehrlich, reproduzierbar, schriftlich.

4) Was Sie getrost lassen können

5) Der ehrliche 4-Wochen-Plan

Aktionsplan

6) Was technische Prüfung leisten kann — und was nicht

Kann sie: Ihre KI-Anwendung gegen bekannte Angriffsmuster testen (Prompt Injection, Daten-Exfiltration, unsichere Tool-Anbindung), Befunde schriftlich dokumentieren, reproduzierbar machen — der technische Nachweisbaustein Ihrer Dokumentation.

Kann sie nicht: Rechtsberatung, „Compliance" aus einem Guss, die Bewertung, ob Ihr Einzelfall Hochrisiko ist. Wer das verspricht, verspricht zu viel.

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Dieser Artikel ist eine technische Einordnung, keine Rechtsberatung. Für die Bewertung Ihres Einzelfalls: Fachanwalt für IT-Recht. Stand: 29. Juli 2026.

Referenzen

  1. Europäische Union. Regulatory framework for AI. EU Digital Strategy.
  2. Artificial Intelligence Act. Leitfaden für kleine Unternehmen.
  3. ClawGuard Blog. EU AI Act für KMU: Die technische Compliance-Checkliste 2026 (mit Omnibus-Update).